26/05: Vom Freizeitvelo zur Alltagsmobilität
Das warme Wetter lockt aufs Velo. An freien Tagen und am Feierabend erfreuen sich die schönen Wege und zahlreichen Velorouten im Weinland grosser Beliebtheit. Gümmeler in Velotrikots, ältere Semester auf E-Bikes, Familien mit Kinderanhänger und Tourenfahrerinnen mit Velotaschen sind unterwegs. Das Weinland bietet mit seiner flachen Topographie, reizvollen Landschaft und verhältnismässig wenig motorisiertem Verkehr beste Bedingungen. Kein Zufall also, dass die Region immer wieder Veloprofis hervorbringt.
Doch leider gelingt der Sprung von der Freizeitnutzung in den Alltag zu selten. Für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Hobby greifen viele lieber zum Autoschlüssel – weil es bequem scheint oder schneller geht. Dabei ist längst bekannt, dass aktive Mobilität im Alltag, wie Velofahren oder zu Fuss gehen, sich vielfach auszahlt. Regelmässige Bewegung im Alltag wirkt sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit aus. Studien zeigen zudem, dass Arbeitnehmende, die mit dem Velo pendeln, seltener krank sind und weniger Stress empfinden – eine klassische Win-win-Situation.
Klar, Velofahren erfordert gewisse Kompetenzen, doch wer es als Kind gelernt hat, verlernt es kaum. Mit heutigen Laufrädern sind bereits Kleinkinder freudig unterwegs. Ein Velo erweitert den Bewegungsradius von Kindern und Jugendlichen erheblich. Besonders der Schulweg ist eine wichtige Lernumgebung: selbstständig unterwegs sein, Neues entdecken und soziale Erfahrungen in der Gruppe sammeln. Ein aktiver Schulweg wirkt sich positiv auf die Entwicklung und sogar auf die Schulleistung aus.
Doch dafür muss das Grundbedürfnis nach Sicherheit gegeben sein. Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen sich sicher fühlen. Hier spielt die Gestaltung der Strassen eine zentrale Rolle. Ausserorts – zwischen den Aussenwachten und Schulgemeinden - braucht es breite, abgetrennte und gut unterhaltene Velowege zum Schutz vor schnellem Autoverkehr und um Velofahren nebeneinander zu ermöglichen. Innerorts sind auf Schulwegen und rund um Schulhäuser tiefe Geschwindigkeiten sowie Rücksicht und Toleranz der Autofahrenden entscheidend. Auch ausreichend diebstahlsichere und attraktive Abstellplätze an Zielorten wie Bahnhöfen, Schulen und Einkaufsläden sind notwendig. Das nationale Veloweggesetz verpflichtet Kantone und Gemeinden zum Ausbau der Velowegnetze. In unserer Region besteht Handlungsbedarf, um das Velo als wichtigen Bestandteil der Mobilität zu begreifen und zu stärken. Bemühungen und Investitionen in den Veloverkehr müssen es uns als Gesellschaft wert sein - nicht zuletzt für die nächste Generation.
Yvonne Ehrensberger, GRÜNE Weinland